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Ratgeber · Sicherheit · 7 Min. Lesezeit

Erste Hilfe am Berg: Ausrüstung, Ablauf und Notruf

Vom Notruf bis zur Blasenversorgung: Die wichtigsten Erste-Hilfe-Grundlagen für unterwegs - und was in jedes Outdoor-Apotheken-Set gehört.

Erste Hilfe am Berg: Ausrüstung, Ablauf und Notruf

Am Berg bist du oft weit von Hilfe entfernt - umso wichtiger ist es, im Notfall ruhig und richtig zu handeln. Du musst kein Sanitäter sein. Schon wenige Grundlagen entscheiden darüber, ob aus einem kleinen Zwischenfall ein großes Problem wird. Dieser Überblick ersetzt keinen Kurs, gibt dir aber die wichtigsten Punkte an die Hand.

Was Erste Hilfe am Berg besonders macht

Ein Unfall am Berg kann weit entfernt von einer Straße oder medizinischen Versorgung passieren. Gelände, Wetter und Tageszeit beeinflussen, wie gut Helfende die verletzte Person erreichen und wie schnell Unterstützung eintrifft. Deshalb zählen ein klarer Ablauf, passende Ausrüstung und eine präzise Meldung beim Notruf.

Erste Hilfe ersetzt keine professionelle Versorgung. Sie soll die Situation bis zum Eintreffen der Rettungskräfte möglichst sicher überbrücken. Wenn du unsicher bist, was zu tun ist, ruf den Rettungsdienst und folge den Anweisungen der Leitstelle. Ein Erste-Hilfe-Kurs mit Schwerpunkt Outdoor oder Bergsport kann helfen, Handgriffe und Entscheidungen vorab zu üben.

Erste Hilfe am Berg: zuerst die Lage sichern

Bevor du dich der verletzten Person näherst, prüfe, ob der Ort für dich und andere sicher ist. Steinschlag, absturzgefährdete Stellen, Gewitter, Kälte oder unübersichtliches Gelände können weitere Gefahren darstellen. Begib dich nicht selbst in eine riskante Lage. Wenn nötig, bringe dich und die Gruppe an einen sicheren Ort und alarmiere die Rettung.

Sprich die verunfallte Person an und verschaffe dir einen ersten Eindruck davon, ob sie reagiert und normal atmet. Vermeide unnötige Bewegungen und hektisches Handeln. Bitte einzelne Personen gezielt um Hilfe, etwa beim Absetzen des Notrufs, beim Holen des Erste-Hilfe-Sets oder beim Einweisen der Rettungskräfte. Klare Aufgaben verhindern, dass alle gleichzeitig dasselbe tun oder niemand den Notruf übernimmt.

Bei einer unmittelbaren Lebensgefahr hat der Notruf Vorrang. Ist die Person bewusstlos oder atmet sie nicht normal, ruf sofort Hilfe und befolge die Anweisungen der Leitstelle. Wenn du in Wiederbelebung geschult bist, handle entsprechend deiner Ausbildung. Die Leitstelle kann dich am Telefon durch die nächsten Schritte führen.

Was in ein Erste-Hilfe-Set für den Berg gehört

Ein Set sollte zur Länge und Art der Tour, zur Gruppengröße und zu den persönlichen Bedürfnissen passen. Es muss erreichbar und so verpackt sein, dass der Inhalt vor Nässe und Schmutz geschützt bleibt. Prüfe vor der Tour, ob die Materialien vollständig und gebrauchsfähig sind. Eine übersichtliche Anordnung hilft, benötigte Dinge auch unter Stress schnell zu finden.

Je nach Tour können folgende Bestandteile sinnvoll sein:

  • Einmalhandschuhe und eine Rettungsdecke
  • Verbandmaterial, sterile Wundauflagen und Fixiermaterial
  • Pflaster und Material zur Versorgung kleinerer Hautverletzungen
  • Eine Schere und eine Pinzette
  • Persönliche, individuell benötigte Hilfsmittel
  • Ein Signalgerät wie eine Pfeife sowie eine Stirnlampe mit ausreichender Energieversorgung

Die Liste ist keine pauschale Vorgabe für jede Tour. Bei besonderen Risiken oder bestehenden gesundheitlichen Bedürfnissen solltest du mit einer medizinischen Fachperson besprechen, welche Ergänzungen sinnvoll sind. Medikamente anderer Personen solltest du nicht ohne deren Einverständnis und fachliche Rücksprache verabreichen. Teile das Set in der Gruppe so auf, dass im Notfall jemand darauf zugreifen kann. Welche fertigen Sets sich für Touren eignen, zeigt unser Überblick zu Erste-Hilfe-Sets für Outdoor-Touren.

Verletzungen versorgen und Wärme erhalten

Bei einer Wunde gilt: Schütze dich nach Möglichkeit mit Handschuhen und decke die Verletzung mit geeignetem Verbandmaterial ab. Bei stärkerer Blutung übe mit einer sterilen Auflage gleichmäßigen Druck aus und rufe den Rettungsdienst. Steckt ein Gegenstand in der Wunde, ziehe ihn nicht heraus. Bei schweren Verletzungen oder Unsicherheit sollte die Versorgung durch die Leitstelle angeleitet werden.

Bewege eine Person nach einem Sturz möglichst wenig, wenn eine Verletzung an Kopf, Nacken, Rücken oder Beinen möglich ist. Eine Veränderung der Lage kann dennoch nötig sein, wenn der Aufenthaltsort unmittelbar gefährlich ist oder die Atmung beeinträchtigt wird. Folge in solchen Fällen den Anweisungen des Rettungsdienstes und vermeide unnötige Dreh- oder Zugbewegungen.

Kälte und Wind können die Situation zusätzlich erschweren. Schirme die Person vor Wetter ab und isoliere sie vom kalten Untergrund, zum Beispiel mit einer Rettungsdecke oder zusätzlicher Kleidung. Achte auch auf dich und die übrige Gruppe: Erschöpfte oder durchnässte Helfende können selbst gefährdet werden. Beobachte Veränderungen und gib wichtige Informationen an die Rettungskräfte weiter.

Die häufigsten kleineren Verletzungen

Die meisten Zwischenfälle sind harmlos, wenn man sie früh versorgt.

  • Blasen: Bei der ersten Reibung sofort handeln: Blasenpflaster auf die gerötete Stelle, bevor sich die Blase bildet. Eine offene Blase wird steril abgedeckt, nicht aufgestochen.
  • Verstauchungen und Bänderdehnungen: Das PECH-Schema hilft: Pause, Eis oder Kühlung, Compression durch eine Binde, Hochlagern. Mit Wanderstöcken und Tape lässt sich ein Gelenk oft so weit stabilisieren, dass der Abstieg gelingt.
  • Unterkühlung und Sonnenstich: Beide Extreme sind am Berg real. Gegen Kälte hilft Isolation und warme Getränke, gegen Hitze Schatten, Wasser und das Hochlagern des Oberkörpers.

Den Notruf am Berg richtig absetzen

Wähle die örtlich gültige Notrufnummer oder den verfügbaren alpinen Rettungsdienst. In ganz Europa erreichst du den Rettungsdienst über die 112; in den Alpenländern gibt es zusätzlich eigene Bergrettungs-Nummern. Die Möglichkeiten zur Alarmierung unterscheiden sich je nach Land und Region. Informiere dich vor der Tour, wie Hilfe im Gebiet angefordert wird. Wenn der Mobilfunkempfang fehlt, versuche einen sicheren Standort mit besserer Verbindung zu erreichen, ohne die verletzte Person allein zu lassen, wenn das vermeidbar ist. Teile die Gruppe dafür klar auf.

Ohne jeden Empfang hilft das alpine Notsignal: sechsmal pro Minute ein sichtbares oder hörbares Zeichen, eine Minute Pause, dann wiederholen. Die Antwort erfolgt dreimal pro Minute.

Gib am Telefon möglichst sachlich an:

  • Wo sich der Unfall ereignet hat: Gebiet, Weg oder Route, erkennbare Geländemerkmale und nahe Orientierungspunkte
  • Was passiert ist und wie viele Personen betroffen sind
  • Wie es der verletzten Person geht und welche Hilfe bereits geleistet wird
  • Welche Gefahren am Unfallort bestehen, etwa Steinschlag oder Wetter
  • Wie die Rettungskräfte die Gruppe erkennen und erreichen können

Beende das Gespräch nicht eigenmächtig, sondern warte auf Rückfragen und weitere Anweisungen. Halte das Telefon anschließend erreichbar. Schicke, wenn es sicher möglich ist, eine Person zu einem geeigneten Punkt, um die Rettungskräfte einzuweisen. Diese Person sollte den Unfallort und die Gruppe zuverlässig wiederfinden können.

Im Zweifel immer Hilfe rufen. Lieber einmal zu viel als einmal zu spät - die Bergrettung nimmt das niemandem übel.

Vor der Tour auf den Notfall vorbereiten

Eine gute Vorbereitung beginnt vor dem Aufbruch. Informiere dich über die geplante Route und die örtlichen Möglichkeiten, Rettung anzufordern. Teile einer vertrauten Person mit, wohin die Tour führt und wann du voraussichtlich zurück bist. Sorge dafür, dass alle in der Gruppe wissen, wo das Erste-Hilfe-Set liegt und wer im Notfall den Notruf absetzt.

Passe die Ausrüstung an die Bedingungen an und nimm nur mit, was die Gruppe sicher handhaben kann. Ein Set allein macht niemanden zur Fachkraft. Eine regelmäßige Auffrischung der Erste-Hilfe-Kenntnisse schafft mehr Sicherheit im Umgang mit typischen Entscheidungen: Unfallstelle sichern, Hilfe holen, die Person betreuen und Informationen weitergeben.

Weiterlesen im Ratgeber

Häufige Fragen zur Ersten Hilfe am Berg

Was sollte bei einem Unfall am Berg zuerst passieren?

Sichere zuerst dich selbst und die Gruppe, bevor du dich der verletzten Person näherst. Prüfe dann, ob sofortige Gefahr besteht, und alarmiere bei schweren Verletzungen oder Unsicherheit den Rettungsdienst. Folge den Anweisungen der Leitstelle.

Welche Ausrüstung gehört in ein Erste-Hilfe-Set für die Berge?

Sinnvoll sind je nach Tour unter anderem Handschuhe, Verbandmaterial, Wundauflagen und eine Rettungsdecke. Ergänze das Set passend zu Gruppengröße, Bedingungen und persönlichen Bedürfnissen. Prüfe vor dem Aufbruch, ob die Materialien erreichbar und verwendbar sind.

Was ist beim Notruf aus abgelegenem Gelände wichtig?

Beschreibe den Ort so genau wie möglich und nenne Route, erkennbare Geländemerkmale sowie die Zahl und den Zustand der betroffenen Personen. Informiere die Leitstelle über Gefahren und bereits geleistete Hilfe. Bleib für Rückfragen erreichbar und befolge die Anweisungen.

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